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Sommerurlaubslektüre

In alle Himmelsrichtungen verschlägt es diesen Sommer das HIMBEER-Team – na ja – zugegebenermassen verschlägt es die meisten von uns gen Süden. Wo wir auf herrlich faule Stunden mit gutem Wetter, Essen und nicht zuletzt guter Lektüre hoffen... Unsere liebsten Bücher für den Urlaub und was wir uns und unseren Kindern diesmal in die Koffer packen, verraten wir hier...

ESTHER
Ich schaffe es leider viel zu selten zu lesen. Aber im Sommerlaub ist MEIN Zeitpunkt gekommen! Da statte ich mich mit mehreren Wälzern aus und hole nach, was ich das Jahr über nicht geschafft habe.

Mein Lieblingsbuch im letzen Sommerurlaub Frankreich war: Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts. Da habe ich in der verdonnerten Mittagspause (für die Kinder!) mich auf die Liege in den Schatten gelegt und bin in diese unglaubliche Familiengeschichte eingetaucht, die so nichts mit meinem Leben gemein hat. Zudem fand ich es super spannend, mehr über die deutsch/deutsche Geschichte zu erfahren.
Ein Buch, das einfach wunderbar für jede Lebenslage geeignet ist, auch für den Sommerurlaub: Daniela Krien, Irgendwann werden wir uns alles erzählen. Habe ich schon fast all meinen Freundinnen geschenkt. Seufz!

Dieses Jahr geht es wieder an den selben Ort in Südfrankreich. Ein einfaches Steinhaus, fast direkt am Meer. Totale Stille, kein Handyempfang, no Internet! Bereit gelegt habe ich mir: Lily Bret: Chuzpe (bisschen peinlich, habe ich immer noch nicht gelesen)
Leon de Winter: Das Recht auf RückkehrMuriel Spark: Die Blütezeit der Miss Jean Brodie. Wahrscheinlich wird mich meine Mutter wieder mit einem dicken Stapel bester Lektüre versorgen. Sie liest viel und hat immer wunderbare Empfehlungen. Danke, Mama!

Ella ist zehn, sie liest gerne und auch viel. Der letze Streich waren die sieben Bände von Lola. Den achten spart sie sich, es scheint ihr zu reichen… Martha, sieben Jahre alt, liest mal ein Pixi-Buch alleine, sonst bitte vorlesen!

Im letzten Frankreich Urlaub haben wir Roald Dahl für uns entdeckt. Charlie und die Schokoladenfabrik, aber besonders Matilda
fanden wir alle super! Ich habe sogar einmal heimlich abends noch ein bisschen weitergelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, welches Geheimnis die nette Lehrerin hat.

Dieses Jahr kommen in den Koffer:
Jeanne Birdsall: Die Penderwicks
Dave Shelton: Bär im Boot
Christine Nöstlinger: Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte

Diese werden wir dann wieder auf der wunderbaren Terrasse mittags oder abends lesen. Kann sein, dass Ella sich eines zum alleine lesen schnappt…

DORO
Meine Tochter Elisabeth, acht Jahre, ist die absolute Leseratte! Ihre Lieblingsferienlektüre: Die Penderwicks. Wir haben teils vorgelesen und Elisabeth hat, weil es so spannend war, oft alleine weitergelesen. Sehr zum Ärger der Vorleser, denn man will unbedingt selber wissen, wie es weiter geht! Elisabeth mag die vier Hauptcharaktere – sie haben alle vier besondere Interessen: Jane schreibt Bücher, Skye liebt die Sterne, die kleine Batty ist immer mit ihrem Hund Haunt zusammen. Die große Schwester Rosalind übernimmt die Mutterrolle, da die Mutter schon gestorben ist. Die vier halten toll zusammen und finden gute Freunde. Toll ist auch, dass die Bücher immer in den Ferien spielen! Also perfekte Ferien Bücher! Letztes Jahr auf Elba haben wir das wunderschöne Delphinensommer von Katherine Allfrey vorgelesen. Kann man immer wieder lesen!
Theresa, drei Jahre, liebt auch schon Geschichten – sie hatte jetzt im Urlaub die Bücher von der kleinen Hexe Lisbeth (von Lieve Baeten) mit. Die Die schlaue kleine Hexe kann die ganze Familie inzwischen auswendig und wehe, du lässt was aus!

Sommerferien ist Lesezeit! Ich Lese auch sonst sehr gerne, komme aber nicht soviel dazu. Letztes Jahr auf Elba habe ich Einfache Gewitter von William Boyd Gelesen, SUPER spannend und Achtung Suchtgefahr! Es folgten gleich zwei weitere Boyd Bücher: Eines Menschen Herz und Ruhelos  – inzwischen habe ich fast alle seine Bücher verschlungen!

Dieses Jahr, in Frankreich, war es Martin Suter – Die dunkle Seite des Mondes hat mich sehr sehr gefesselt und Small World, da bin ich noch dabei… Ach, und Sand von Wolfgang Herrndorf las ich noch. Ein Buch, das sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, ich fand es gut! Genau wie sein Buch Tschick, das ist fantastisch! Super für Jugendliche!

Mein Freund Wolfgang war völlig versunken in Shantaram von Gregory Davids. Wenn man Abenteuer liebt, ist dieses Buch ein Muss! Ähnlich gut wie Papillon von Henri Charriere. Hier also unsere Pageturner Ferienempfehlungen: Shantaram und Papillon, super für Insel-Urlaube! Und alles von William Boyd!

 

SOPHIE
Ich lese immer viel, soweit es die Zeit zulässt. Von aktuellen Neuerscheinungen bis hin zu Klassikern, die man wohl gelesen haben sollte. Meistens sind es dann aber eher die „dünneren“ Bücher (bis ca. 300 Seiten). Vor allem lese ich in der Bahn, vor und nach der Arbeit. Im Urlaub nehme ich mir dann aber gern auch mal einen richtigen Wälzer vor. Und wenn das Wetter schlecht ist auch mehrere… Eigentlich lese ich im Urlaub alles gern: von Krimi, über Liebesgeschichte oder Drama bis hin zu Jugendbüchern. Auch Sachbücher nehme ich manchmal mit, dann meist zum Thema Psychologie.
Vor zwei Jahren habe ich im Urlaub an der Ostsee Weißer Oleander
von Janet Fitch gelesen. Eine sehr bewegende Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die widersprüchlicher nicht sein kann, und die einem bewusst macht, wie schlimm das Leben eines jungen Menschen verlaufen kann aufgrund einer impulsiven Entscheidung. Die Psyche der beiden Hauptfiguren zu verstehen und nachvollziehen zu können, war dabei nicht immer leicht. Sehr empfehlenswert ist auch die Verfilmung mit Alison Lohman, Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger.

Im letzten Jahr habe ich Wolfgang Herrndorf für mich entdeckt. Tschick ist perfekte Sommerurlaubslektüre. Die Mischung aus Abenteuer, Freundschaft und jugendlichem Leichtsinn verpackt Herrndorf so unglaublich gut, dass es sich einfach echt anfühlt. Viel zu schade, dass das Buch so wenige Seiten hat und die Geschichte so schnell vorbei ist. Aber das Gefühl, das sich beim Lesen entwickelt hat, blieb bei mir auf jeden Fall noch eine Weile bestehen.

Meine all-time-favourites? Ehrlich gesagt habe ich es noch nicht geschafft, ein Buch mehr als einmal zu lesen. Ich nehme es mir oft vor, aber dann bevorzuge ich es doch, wieder etwas Neues zu entdecken. Aber als All-time-favourite unter den Autoren, vor allem auch im Sommer bzw. Urlaub, ist Nick Hornby. Nachdem ich vor ein paar Jahren High Fidelity gelesen habe, und seitdem großer Fan von Popliteratur bin, habe ich letztes Jahr A Long Way Down, About a Boy und Slam hintereinander weg gelesen. Besonders „Slam“ hat mir sehr gefallen.

Wie eigentlich jedes Jahr geht es diesen Sommer an die Ostsee. Als großer Harry Potter-Fan habe ich mir vorgenommen, in diesem Sommerurlaub Ein plötzlicher Todesfall von J. K. Rowling zu lesen. Bisher habe ich mich noch nicht ganz herangetraut, da die Erwartungen sehr hoch sind. Doch seit ich die Harry Potter-Bücher als Kind gelesen habe, hat sich ja auch in meinem Leseverhalten einiges verändert. Deshalb bin ich schon sehr gespannt drauf!

 

INA
Ich lese immer viel und immer gerne, was vor allem daran liegt, dass ich Literaturwissenschaften studiere bzw. studiert habe. Da tut man nichts anderes als lesen, lesen, lesen… Manchmal schimpfe ich auch darüber, aber meistens macht es Spaß. Wenn ich verreise, ist daher neben einem Reiseführer immer auch literarische Lektüre mit im Koffer.

Womöglich ist es meinem Studium geschuldet, dass ich so ein klein wenig „Literaturtourismus“ betreibe und Bücher mitnehme und lese, die mit dem Urlaubsort zusammen hängen. Zum Beispiel kann man wunderbar mit Émile Zolas oder Marcel Prousts Romanen Paris erkunden. Letztes Jahr bin ich – sogar stilecht am Bloomsday – auf den Spuren von Leopold Bloom aus James Joyces Ulysses durch Dublin gewandert.

In Italien war Dante im Gepäck. Und nach Schweden ist Astrid Lindgren mitgereist, da mochte ich schon immer die Die Kinder aus Bullerbü sehr gerne. Im Juli geht es nach Island! Vielleicht würde sich ein Buch mit nordischen Sagen gut machen im Reiserucksack?

Ich habe zwar keine Kinder, aber als ich klein war, war ich schon eine riesige Leseratte. Vor allem die Geschichten vom Franz habe ich verschlungen, später dann Hanni und Nanni oder Die fünf Freunde. Aber ich lese auch jetzt manchmal noch gerne Kinderbücher, daher mein Lektüretip für kleine Reisende: Rico, Oskar und die Tieferschatten von Andreas Steinhöfel. Das spielt nämlich auch in den langen und laaaaangweiligen Ferien, in denen ein tiefbegabter Junge ein Ferientagebuch führt. Ich habe so oft lachen müssen beim Lesen!

 

ANTJE
Ich lese jahreszeitenunabhängig soviel ich kann, gerne auch bis spät in die Nacht. Im Sommer lese ich natürlich bevorzugt draußen, im Park, auf dem Spielplatz oder auf dem Balkon. 2008 habe ich einen wunderbaren Sommer an der norwegischen Küste verbracht, in einer einsamen Hütte an einem Fjord nicht weit von Oslo. Dort habe ich Sommerhaus, später von Judith Hermann gelesen und es war herrlich, den Figuren dabei zuzusehen, wie sie in spätsommerlichen Obstgärten alter Landhäuser in Brandenburg oder in unrenovierten Berliner Ofenheizungswohnungen einfach gar nichts tun. Durch die wunderbaren Figuren und Hermanns Erzählstil bekommen die Kurzgeschichten einen ganz besonderen Klang, ohne dabei langweilig zu sein.

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher habe ich bei einem Urlaub an der Nordsee entdeckt: Der Fänger im Roggen von J.D. Salinger. Obwohl schon 1951 erschienen, ist die Geschichte vom strauchelnden Houlden Caulfield, der drei Tage lang allein durch Manhatten irrt, nachdem er aus dem Internat ausgerissen ist, nicht überholt oder angestaubt. Ein Klassiker, der sich immer wieder lohnt!

Im gleichen Urlaub habe ich außerdem noch Der einzige Mann auf dem Kontinent von Terezia Mora gelesen. Absolut ungewöhnliche Geschichte über den einzigen Vertretet einer amerikanischen Netzwerk-Firma auf dem europäischen Kontinent, der plötzlich nicht nur beruflich völlig allein dasteht. Wer richtig lange Urlaub macht und dabei richtig viel Zeit hat, dem sei Unendlicher Spaß von David Foster Wallace ans Herz gelegt. Mit über 1500 Seiten zwar nicht unendlich, aber doch einschüchternd dick, ist es eines der besten Bücher, die man im Leben überhaupt lesen kann, wenn man denn durchhält. Über den Inhalt kann man eigentlich nichts sagen, und wenn man alles sagt, hat man noch zu wenig gesagt. Im Grunde handelt es von allem, in einem Ton, den man noch nie gehört hat. Verwirrend, unglaublich, und wer sich hineinbegibt, wird vollkommen hineingesogen.

Zwei Empfehlungen noch für alle, die den Sommer daheim verbringen und ein bisschen Ferne zwischen den Seiten genießen wollen: Der Reisebericht Amerika Tag und Nacht von Simone de Beauvoir zeigt ein fast vergessenes Bild der Vereinigten Staaten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, und es ist einfach köstlich, die Grand Dame bei ihren naächtlichen Streifzügen durch geheime Jazzclubs und zu wilden Partys amerikanischer Intellektuellen zu begleiten. Zumal alle trotz ausgiebigem Whiskykonsum am nächsten Tag frisch um sieben zum Frühstück erscheinen. Simone de Beauvoir hat 1947 das ganze Land bereist und ihre geschilderten Eindrücke sind einfach toll.

Ebenfalls für Daheimgebliebene: Das Gesetz der Lagune von Donna Leon. Commissario Brunetti verschlägt es in ein verschlafenes Fischerdorf in der Nähe von Venedig, wo er natürlich einen Mord aufklären muss. Ein Boot brennt ab, zwei Leichen werden gefunden und die Inselbewohner schweigen wie die Steine. Brunetti mietet sich auf der kleinen Insel ein, um den Fall aufzuklären und viel frische Meeresfrüchte zu essen. Eine wunderbare Atmosphäre, die dem Leser den blauen Himmel und die leise rauschenden Wellen direkt nach Hause bringen.

Diesen Sommer bleiben wir mit Neugeborenem zu Hause, aber die Ferienlektüre liegt trotzdem schon bereit: Die Rolling-Stone-Jahre
vom verrückten Hunter S. Thompson mit Reportagen aus dreißig Jahren Arbeit für den Rolling Stone, außerdem Bretonische Brandung von Jean-Luc Bannalec, Mord im malerischen und sommerlichen Frankreich…

Mit acht Wochen ist der Jüngste noch nicht so leseeifrig, die große Schwester mit vier Jahren dafür umso mehr. Bücher anschauen ist ihr liebster Zeitvertreib und wir sind mittlerweile Stammgast in der Bibliothek, um regelmäßig für neuen Nachschub zu sorgen. Natürlich muss auch ausreichend vorgelesen werden. Beim letzten Urlaub an der Nordsee haben wir ein Kinderbuch aus meiner Kindheit gelesen: Die phantastische Reise von Annis Augen, den Stoffpuppen und dem Kapitän von Richard Kennedy. Puppen, die lebendig werden, eine Schiffsreise zu einem verschollenen Schatz, eine meuternde Ente, eine geheimnisvolle schwarzgekleidete Frau – in dem Buch ist alles dabei! Die abenteuerliche Geschichte von Annis Reise macht Kindern und Erwachsenen Spaß.

Als neues Vorlesebuch für abends im Bett liegt schon Emma und der Blaue Dschinn von Cornelia Funke bereit, um ein bisschen orientalische Luft ins Kinderzimmer wehen zu lassen!

 

JULIA
Ich hoffe, ich kann in diesem Jahr etwas mehr lesen im Urlaub. Mit kleinen Kindern fehlt dann doch oftmals die Zeit dazu. Früher (ohne Kinder) habe ich am liebsten Dostojewski im Urlaub gelesen. Die Romane sind einfach mitreißend und ich fand es toll, die Zeit zu haben, mich ganz in das Buch einsinken zu lassen. All-time-favourite? Martin Suter: Lila, Lila. Ein leichtes, lustiges und natürlich dennoch tragisches Buch, das eine spannende, sehr menschliche Geschichte erzählt über Liebe, Selbstfindung und Versagen.

Meine Kinder sind zehn Monate, drei und neun Jahre alt – der Neunjährige ist ein Lesemuffel, aber die Lionboy Trilogie von Zizou Corder hat ihm sehr gefallen. Höchstspannende Geschichte, die die Fantasie anregt und tolle Bilder im Kopf hervorbringt. Zum Vorlesen super, da man selbst gerne vorlesen möchte, um zu wissen wie es weiter geht. So spannend, dass der Lesemuffel sogar freiwillig alleine weitergelesen hat.